Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 22.1.2017 titelt in Ihrem Artikel auf der ersten Seite der Zeitung: "Merkel mahnt Trump zu Respekt".

Bei einem unreflektierten Wahrnehmen einer solchen Feststellung könnte man den Eindruck gewinnen, daß hier der Führer einer Weltmacht den Führer eines unbedeutenden Staates ermahnt, sich anständig zu benehmen, da er sonst mit entsprechenden Reaktionen rechnen müßte.

Betrachtet man diese Aussage etwas differenzierter, so kann man als Bürger dieses Landes nur peinlich berührt sein. In meinen Augen ist es kein guter Stil.

Es ist völlig unangemessen, dem Präsidenten eines Landes, das immerhin eine führende Weltmacht - im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland - ist, in einer erzieherischen Attitüde belehren zu wollen, wie dieser sich zu verhalten habe.

Es mag durchaus sein, daß es viele Punkte im Auftreten des Präsidenten der USA gibt, die dem einen oder anderen nicht gefallen, vielleicht unverständlich sind und vielleicht auch mit Ärger erfüllen. Gleichwohl war es bisher aber allgemein gültiger Stil - und dies nicht nur im diplomatischen Bereich - anderen Persönlichkeiten mit Respekt und auch mit Anstand zu begegnen.

Der Präsident der USA ist gerade einige Stunden im Amt. Zu einer umsichtigen Politik gehört es meiner Meinung nach, erst einmal zu prüfen, welche Veränderungen tatsächlich erfolgen und welche Veränderungen vielleicht sogar zwingend notwendig sind. Es besteht der Eindruck, daß solche objektiven Prüfungen dann unterbleiben, wenn man meint, die eigene Politik sei alternativlos.

Vielleicht ist wichtig, daß jetzt ein neuer Präsident unbeeindruckt von dem bisherigen politischen Establishment neue Wege geht.

Jörg-Michael Bornemann